Seitenwechsel

Im Mai war es mal wieder an der Zeit, die Straßenseiten zu wechseln und auf die Britischen Inseln überzusetzen. Wales – das sich dann letztendlich zwar sonnig aber wellenlos präsentierte - war das eigentliche Ziel und ich machte wieder das Vorauskommando mit dem Van, während meine Damen mit der billigen irischen Airline für einen Appel und ein Ei nach Manchester flogen, wo der Familienausflug beginnen und enden sollte.

Ich hatte die Fahrzeit mit ausreichend Vor- und Nachlauf kalkuliert und somit die Möglichkeit auf der Hin- und Rückfahrt noch einmal ins Wasser zu hüpfen. Besonders im Auge hatte dabei wieder einmal die andere Seite der Nordsee und nach einem früheren gescheiterten Versuch hatte ich diesmal endlich das passende Timing. Sowohl am Beginn als auch am Ende des Trips schob sich ein Nordswell durch die Nordsee und gab mir die Möglichkeit, die Küste Yorkshires etwas zu erkunden.

Es war zwar keiner dieser epischen Swells, die – meistens im Winter - in Verbindung mit Westwind Englands beste Welle zum Leben erwecken, aber der durch recht starken Nordostwind in der nördlichen Nordsee generierte Windschwabbel war stark genug, um das enorme Potential der Gegend zu erkunden und ein paar nette Sessions abzugreifen.

Ungerecht, wie die Welt nun einmal ist, halten die britischen Inseln ja bekanntermaßen die allermeisten Atlantikswells davon ab, an unseren Küsten spaßige Wellen zu verursachen. Als ob das nicht reichen würde, hat die britische Ostküste auch noch eine um Welten bessere Topografie als unsere Sandhaufen. Steilküste wechselt mit sandigen Buchten, dazwischen ragen Unmengen von Riffen in die Nordsee hinein.

Diese Combo führt dazu, dass selbst bei ungünstigen Windrichtungen sich immer noch ein Spot finden lässt, der wesentlich bessere Wellen produziert als das klassische Westwindgeballer es an der deutschen und dänischen Nordseeküste vermag.

Einziger Nachteil: die Hauptwindrichtung West produziert hier naturgemäß keinen Windswell und atlantische Grundschwellungen schaffen es auch nicht an diese Küste. Man braucht also Windswell aus östlichen Richtungen oder einen Swell aus dem Nordatlantik. Wenn der dann wieder auf die Hauptwindrichtung der Gegend trifft, nun ja, dann munkelt man, dass die Nordseewellen hier zu den besten Wellen Europas gehören.

Die Scars – so heißen die Riffe in der Gegend – sind extrem Tiden abhängig und der Tidenhub scheint mir hier noch deutlich größer zu sein, als z. B. an der dänischen Küste. Das macht auch hier das richtige Timing bei kurz laufenden Swells und schnell wechselnden Windrichtungen nicht einfach. Dazu kommt das meistens – genauso wie bei uns – saukalte Wasser. Trotzdem ist die Gegend die Keimzelle des britischen Surfens.

Hier hat das Ganze begonnen, und das schon bevor der Rest Europas auf den Geschmack kam. In den Achzigern haben die Locals hier bereits in völlig untauglichen Neos mitten im Winter die deftigsten Riffwellen gesurft. Aber die Briten sind ja generell etwas resistenter gegen Kälte als der Rest Europas.

Auffallend war, dass trotz der langen Surfkultur und der recht großen Surferpopulation nur an ganz wenigen Spots jemand im Wasser war. Meistens waren das die Spots, bei denen man nicht mehr als 5 Minuten vom Parkplatz zum Wasser laufen musste und der nächste Pub nicht allzu weit entfernt war. Mit völligem Unverständnis habe ich hier wunderbar aussehende Breaks gesehen, an denen selbst am Wochenende kein Schwein im Wasser war.

Warum ist hier niemand im Wasser?????????

Zu diesem Überfluss an Surfspots gesellt sich noch eine wunderschöne, wilde Landschaft und das ein oder andere kulturelle Schmankerl. Es könnte sich also durchaus lohnen, ab und zu einmal die Seite zu wechseln. Ich jedenfalls behalte die Gegend auf dem Schirm.

Für mehr Impressionen schaut Euch die Gallery an!

Bild von coldwaves

Ein kleiner...

coldwaves on Do, 08/23/2012 - 20:34

...Traum. Da möchte ich auch mal hin.

Bild von Freezen

Nice nice

Freezen on Do, 08/23/2012 - 17:57
Tolle Fotos! War letztes Jahr auch auf der Insel, allerdings in Cornwall - http://nordsurf-syndikat.de/surfblog/freezen/im-land-der-rosamunde-pilcher -! England ist definitiv eine Reise wert und kann empfohlen werden!! Greetz