Als arbeitender Nordsurfer der nicht direkt am Teich wohnt ist man ja drauf angewiesen, dass die Ostsee ihre raren faltigen Tage auf ein Wochenende verlegt (vor allem dann, wenn die Tage schon wieder kürzer sind). Oder aber man ist beruflich sein eigener Herr und kann die Arbeitszeiten nach den Windzeiten ausrichten. Wobei das mit dem eigenen Arbeitgeber ja oftmals so ist, dass man schon froh ist, wenn das Wochenende frei ist.

Nun, Ende September / Anfang Oktober hatten wir ja eine nette Ostwindperiode mit noch kuschelig warmem Wasser. Dummerweise hatte ich aber schon zwei Wochen vorher 2 Wochentage als arbeitsfrei erklärt, um einen Ausflug zu unseren skandinavischen Nachbarn zu unternehmen. Da liegen gebliebene Arbeit sich leider nicht in Luft auflöst, musste ich dann während dem Ostwindgeballere aus der Ferne zuschauen (siehe hier >>>) wie andere ihren Spaß hatten.

Lediglich einen Nachmittag konnte ich mir blocken und für einen Ausflug an den heimischen Teich nutzen. Zur Spaßmaximierung hatte ich mich eigentlich für Stehsegeln entschieden. Auf dem Weg zum Spot meines Vertrauens für diese Sportart fiel mir dann allerdings auf, dass der Wind irgendwie nachgelassen hatte. Ich hatte nicht allzu lange Zeit und Warten auf Wind war in der Kalkulation nicht drin. Da der Wind aber den ganzen Tag schon ordentlich geballert hatte und das noch dazu aus der richtigen Richtung sollte noch ein bisschen was in die Lübecker Bucht schwabbeln. Wenig Wind und Restschwabbel? Ich hatte plötzlich eine Wahnvorstellung und riss den Lastwagen rüber auf die Autobahnabfahrt, die zur Brücke führt.

Am Parkplatz regte sich dann auch kaum ein Lüftchen und so eilte ich durch den Park an die Brücke. Bingo, äh, nicht Bingo. Es hatte wenig Wind und – welch Überraschung! – wenig Welle. Und die wenige Welle war trotz des wenigen Winds äußerst ungeordnet. Volltreffer. Passte perfekt zu meinem äußerst durchschnittlichen Wellenglück / Timing des Frühherbstes. Was tun? Zum Stehsegeln war´s zu wenig und nun war ich schon mal hier, also schlüpfte ich mit wenig Enthusiasmus in den Neo und paddelte raus, o.k. hüpfte vom Bootsanleger.

Der Lineup war recht dünn besetzt, was ja hier nicht mehr so häufig passiert, aber die Wellen waren vom Wasser aus noch schlechter als sie von der Brücke aus aussahen. Ich gab dann schnell die Systematische Suche nach einem funktionierenden Take-Off Platz auf und ließ mich rumtreiben. Irgendwann schwappte es dann an der richtigen Stelle hoch und man konnte losrutschen. In welche Richtung der ritt gehen sollte musste man spontan nach dem Takeoff entscheiden und meistens war die Entscheidung eh falsch. Egal, dank dem bequemen Weg zurück in den -ähm – Lineup über die Brücke musste man sich das Weißwassergerutsche wenigstens nicht mit endloser Paddelei erkaufen.

Trotz des regelmäßigen Landgangs zwischendrin wurde mit beim Rumsitzen draußen aber bald ein bisschen übel. Der Schwabbel machte mich seekrank. Das Geschaukel war dank der wirr durcheinander laufenden „Wellen“ selbst für unsere Ostsee deftig. Zum Glück Schwappte dann bald eine Welle an der richtigen Stelle hoch – heißt mehr als zwei Meter vor mir – und ich schaffte es, das Brett schnell genug zu drehen und die – ähhh – Welle zu nehmen. Da ich keinen Bock auf eine abschließende Seegraspackung hatte „surfte“ ich das Ding bis in den „Shorebreak“, der mir dann zum Abschied noch einen kleinen seitlichen Schlag ans Brett spendierte. Nix gewaltiges, nur so ein zärtlicher kleiner Schubser, der jetzt auch keine große Wirkung gehabt zu haben schien.

Aber auf dem Weg zurück zum Van merkte ich, dass mein rechtes Knie irgendwie komisch drauf war. Nicht dass mich das beunruhigt hätte, denn das Gelenk ist eh verschlissen und ich habe mich dran gewöhnt, dass es ab und zu zwickt. Zurück in Hamburg konnte ich dann aber nur noch sehr komisch laufen. Die Kapsel fühlte sich nicht wirklich gut an. Das war nun genau das, was ich jetzt brauchte, denn in ein paar Tagen sollte es für zwei Wochen in die Bretagne gehen. Aber irgendwie passte es in diesen Herbst, der zwar viele Wellen produzierte, in dem ich aber immer irgendwie jeweils zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort war.

Apropos falscher Ort: Christoph war zur gleichen Zeit da, wo ich eigentlich ursprünglich zum Stehsegeln hinwollte. Er hat mir dann ein Bild von dort geschickt. Wär ich bloß mal die paar Kilometer weiter gefahren…..

Wer es sich antun will, findet noch ein paar Bilder in der Galerie. Die meisten sind von Jörg, der mich bei dieser exquisiten Session abgelichtet hat.